2024 bot für die IHK eine grosse Vielfalt von Themen
Von Jérôme Müggler

Unsere Kammer hatte im Juni 2023 mit dem Ja der Thurgauer Stimmbevölkerung zu 20 Projekten, die von den Erlösen aus den TKB-Partizipationsscheinen profitieren sollen, das «Go» für den Digital & Innovation Campus (DICT) erhalten. Das neue Thurgauer Institut für digitale Transformation (TIDIT) startete im Frühjahr 2024 seine Tätigkeiten und konnte im August mit Caroline Obolensky eine Geschäftsführerin finden. Unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Grossniklaus von der Universität Konstanz und von Prof. Dr. Oliver Dürr von der HTWG werden nun die beiden Forschungsgruppen rekrutiert. Seitens Campus-Projektleitung stand das vergangene Jahr im Zeichen der Beschaffung der ersten Tranche aus der Anschubfinanzierung. Dafür musste die IHK mit dem Förderverein «Pro Thurgau» zuerst eine Leistungs- und anschliessend eine Fördervereinbarung abgeschlossen. Letzteres konnte per Ende 2024 unter Dach und Fach gebracht werden. Im ersten Quartal 2025 gründet die IHK nun eine eigenständige Stiftung als Trägerorganisation für den Campus und setzt eine Geschäftsführung für den Innovation Hub des DICT ein.
WEGA-Sonderschau «Zukunftslabor – Lernen für morgen»
2024 unterstützte die IHK die Sonderschau der Pädagogischen Hochschule an der WEGA. Diese stiess auf grosses Publikumsinteresse. Sie zeigte, wie wichtig Bildung und stetiges Lernen heute für die ganze Gesellschaft sind und bot vielfältige Erlebnisstationen. Ein besonders reger Austausch zwischen Wirtschaft und Bildung fand dabei am WEGA-Apéro der IHK statt. Mit einem Einblick in einen Makerspace zeigte die Sonderschau beispielsweise einen Lernraum, der in vielerlei Hinsicht ideal auf künftige Berufsausbildung und Berufstätigkeit vorbereiten kann. Grosse Anziehungskraft hatte das Modell „Stadt der Zukunft“, anhand dessen Schülerinnen und Schüler lernen können, komplexe Probleme handelnd und erkundend zu lösen. Gerade hier führte der Austausch zwischen IHK-Mitgliedern und Vertretern der PHTG auch zu Ideen für konkrete weitere Projekte, die lanciert werden sollen. Von beiden Seiten wurde zudem begrüsst, dass der Aufbau des Digital & Innovation Campus den Austausch und die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Bildung weiter stärken wird.

Entscheidungen fällen im Alltag
BOOM!, der neue Anlass der Thurgauer Wirtschaft, widmete sich bei seiner zweiten Ausgabe dem Thema «Entscheiden – mit Kopf, Bauch und Risiko». Über 300 Personen folgten gespannt den Referierenden, die das Fällen von Entscheidungen aus der Perspektive der Aviatik, des Profisports, unseres Gehirns und der künstlichen Intelligenz beleuchteten. Zum Auftakt von stand der Sportchef des FC St.Gallen 1879, Roger Stilz, auf der Bühne. Dabei sprach er über die Entscheidungsfindung im Spitzenfussball. Daniel «James» Pfiffner, Kommandant der Pilotenausbildung der Schweizer Luftwaffe, beschrieb, wie man lernen kann, Entscheidungen unter hohem Druck zu fällen. Er zeigt verschiedenen Parallelen zwischen der Aviatik und der Wirtschaft auf. Ein grosses Highlight des Programms war der Auftritt von Entscheidungsarchitekt Reto Blum, der dem Publikum auf humorvolle und einleuchtende Art und Weise vorführte, dass wir nicht immer Herr oder Frau der eigenen Entscheidung sind. Landwirt Mathias Roth, Livom-Mitgründer Sandro Haag, Bio-Bäckerin Anna Lehmann und Marktgebietsleiter Nicolas Steiner von UBS teilten verschiedene Erfahrungen aus ihrem beruflichen Alltag.
China, Gesundheit und Future Skills
Am Rande des stars Symposiums nutzten CEOs von exportorientierten Thurgauer Unternehmen auf Einladung der IHK die Gelegenheit, sich auf dem Wolfsberg mit China-Experte Jörg Wuttke zur aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Situation in China auszutauschen. Für international tätige Unternehmen ist die aktuelle Situation in China sehr herausfordernd. Im Mai 2024 fand das sechste EcoOst Symposium statt. Ein nachhaltiges Gesundheitswesen in der Ostschweiz stand im Fokus der gemeinsamen Veranstaltung mit der IHK St.Gallen-Appenzell und der HSG. An der EcoOst Arena im August standen die Future Skills und New Work auf dem Programm. «New Work» hält Einzug in der Ostschweizer Wirtschaft. Das gilt längst nicht mehr nur für Grossunternehmen, sondern auch für KMU. Digitalisierung, Globalisierung und Multikrisen fordern Flexibilität und Agilität der Unternehmen. Neue Arbeitsformen wie flexible Arbeitszeiten, Teilzeitarbeit, Homeoffice oder flache Hierarchien sind ihn vielen Ostschweizer Unternehmen bereits Alltag. Reto Ammann, CEO des SBW Haus des Lernens, identifizierte sechs Kompetenzen, die über den traditionellen Lehrplan hinausgehen und den Fokus auf die Persönlichkeitsentwicklung legen: Leidenschaft, Resilienz, Weltoffenheit, Nachhaltigkeit, Kreativität und Unternehmertum.
Vorstand spricht mit Regierungsrat über Staatsfinanzen
An der letztjährigen Generalversammlung sprach sich IHK-Präsidentin Kris Vietze für einen schlankeren Staat und mehr eigenverantwortliches Handeln aus. Zudem betonte sie die hohe Relevanz stabiler bilateraler Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU. Der Vorstand unserer Kammer traf während des Sessionsbesuch im vergangenen Juni neben den Thurgauer Parlamentarierinnen und Parlamentariern Botschafter Patric Franzen, der als Chefunterhändler die Verhandlungen der Schweiz mit der EU über die Weiterentwicklung der Bilateralen Verträge führte. Im November traf der Vorstand den Thurgauer Regierungsrat zum jährlichen Austausch. Dabei standen Diskussionen über die Staatsfinanzen, die Effizienz der Verwaltung sowie der DICT auf dem Programm.